Vererbte Wunden – lasst uns miteinander darüber sprechen!

Während den Höhen und Tiefen eigener Krisen ist es mir keineswegs leicht gefallen darüber zu sprechen, was mit mir los war – im Gegenteil. Mir fehlten oft die Worte, ich tappte stumm im Dunkeln oder ich schrie wütend in der Gegend herum. Zu lernen, sich konstruktiv auszudrücken, derart, dass wir die Hilfe bekommen, die wir benötigen, oder so, dass die Menschen, denen wir etwas zu sagen haben, erfahren, was uns wichtig ist, kann Jahre lange Arbeit bedeuten. In meinem Fall war das so, da ich zuerst über alles Mögliche im Leben zu reden geübt war ausser über mich selbst.

Ich habe grossen Respekt für Menschen, die noch einen Schritt über die übliche Selbsthilfegruppe oder den Trialog hinaus ihre Erschütterungserfahrungen an die Öffentlichkeit tragen. Solche Menschen brechen mit gesellschaftlichen Tabus und wagen, sich verletzbar zu zeigen. Wer für die grössere Gemeinschaft sich als Sprachrohr berufen fühlt, betritt ein grosses Feld. Für mich ist es wichtig, dass es solche Menschen gibt, damit wir als Kollektiv die Themen rund um psychische Gesundheit ausdiskutieren und zum Wohl der Betroffenen angehen können. Das schliesst nicht aus, dass Peers und Erfahrene an entscheidenden Plätzen im Leben anderer – auch wenn für die Gesellschaft eher unsichtbar – ebenso heilsame und wertvolle Veränderung bewirken.

Gerade für solche Begegnungen und Debatten versteht sich Pro Mente Sana als wichtige Plattform. Am internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive“ hat sie am Freitag 19. August, 2016 um 14:00 Uhr darum drei erfahrene Personen des öffentlichen Lebens – gleichwertig als Betroffener, als Angehörige und als Fachperson – gebeten, sich trialogisch dem Thema generationenübergreifender psychischer Gesundheit zu stellen. Wir laden euch herzlich ein zu dieser kostenfreien und spannenden Podiumsdiskussion und freuen uns über rege Teilnahme! Kommentare im vornherein sind gleich anschliessend an diesen Blog erlaubt!

Bloggerin: Stephanie Ventling

Die Kanadier machen es uns vor…

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist in der Schweiz immer noch ein relativ neues Thema. Dies ist nicht überall so. In Kanada entwickelte die Regierung zusammen mit dem Arbeitgeberverband und der Simon Fraser Universität in Vancouver vor 25 Jahren ein Programm, das heute immer noch als das Innovativste gilt: „Guarding Minds“.

Guarding Minds ist ein Wortspiel: einerseits bedeutet es „auf die Psyche acht geben am Arbeitsplatz“, andererseits bedeutet es „wachsame Köpfe am Arbeitsplatz“, die auf die Gesundheit der anderen achten. Dieses Doppelspiel illustriert schön, dass wir auf unsere eigene Gesundheit achten müssen, aber auch auf die der andern – und dies gilt für alle, nicht nur für Vorgesetzte.

Die Kanadier haben 13 relevante Faktoren erarbeitet, die psychische Gesundheit erfassen. Vertieft man sich in diese 13 Faktoren merkt man schnell, dass es scheinbar keine signifikanten Unterschiede zwischen Kanada und der Schweiz in diesem Bereich gibt. Die wesentlichen Faktoren haben viel mit dem Arbeitsklima zu tun. Ein von Angst geprägtes Arbeitsklima scheint sehr ungesund zu sein. Ein angstarmes Klima hingegen erhält oder schafft Gesundheit. Das Schöne an den Faktoren ist, dass sie von jedem von uns mitbeeinflusst werden. Vorgesetzte haben einen Einfluss auf das Arbeitsklima, die Teamkollegen aber auch. Der wichtigste Faktor hat übrigens alle überrascht: Die Stigmatisierung. Ob in einem Betrieb über psychische Gesundheit gesprochen wird und ob diffamierende Sprüche über psychisch Erkrankte zugelassen werden, ist matchentscheidend.

Einige Betriebe in der Schweiz sind bereits in der Umsetzung von Konzepten psychischer Gesundheitsförderung. So auch die Swisscom und die Migros, welche eng mit der Pro Mente Sana zusammenarbeiten. Möglichkeiten Mitarbeitende zu informieren und zu sensibilisieren gibt es Viele: Workshops unter Einbezug von Peers (Menschen mit persönlicher psychischer Erfahrung) sind dabei besonders wirksam. Denn die Begegnung mit Menschen, die authentisch über Erlebtes erzählen, haben eine hohe Glaubwürdigkeit. Zudem werden Webinare und interaktive Workshops durchgeführt. Wir passen das Angebot den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Betriebe an. Hauptsache ein Unternehmen ist bereit und hat den Mut, sich dem Thema zu stellen. Den richtigen Weg dazu finden wir im gemeinsamen Gespräch.

Hinweis: Mehr über „Guarding Minds“ finden Sie im Buch: „Wenn die Psyche streikt“.

Blogger: Dr. med. Thomas Ihde-Scholl

Trialog – Perspektivenwechsel und Erfahrungsaustausch

„So ein Perspektivenwechsel ist Balsam für die Seele“, denke ich und räkle mich auf meinem Liegestuhl. Mein Blick verliert sich in der Weite der Ägäis und lässt mich den oft hektischen Alltag vergessen.

Um Perspektivenwechsel geht es aber nicht nur, wenn Ferien angesagt sind. Auch der Trialog bietet Raum für einen Perspektivenwechsel, wenn es um das Erleben einer psychischen Erkrankung geht, sei dies aus der Sicht von Betroffenen, Angehörigen oder Fachpersonen.

Der Trialog ist eine Veranstaltung, an der psychisch erkrankte Menschen, Angehörige und Fachpersonen gemeinsam teilnehmen. Der gegenseitige gleichberichtigte Austausch auf Augenhöhe ermöglicht einen Zugewinn an Verständnis für die unterschiedlichen Sichtweisen und eröffnet neue Blickwinkel auf viele Aspekte im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung. Es ist das Ziel des Trialog, durch den Erfahrungsaustausch voneinander zu lernen.

Ich selbst profitiere immer wieder aufs Neue von der Teilnahme am Trialog und zwar unabhängig davon, welches Krankheitsbild im Fokus steht. Im Trialog werden Themen angesprochen, die mich nicht nur in meiner Rolle als Angehörige sondern ganz allgemein als menschliches Wesen berühren und beschäftigen: das Bewusstwerden um die eigene Verletzlichkeit, Sinnfindung im Leben und vieles mehr.

Ich kann den Trialog nur weiterempfehlen, auch den Ärzten!

Sonnige Grüsse aus Griechenland

Bloggerin: Sibylle Glauser


Crowdfunding_Mailsignatur

e-Beratung mit Herz und Verstand

„Was für Gefühle begleiten mich als Peer in der e-Beratung?“ Kurz gesagt: Ich lasse da zuerst mein Herz sprechen. Aber wie der Titel schon verrät, mein Verstand redet auch mit.

Als Peer-Beraterin erhalte ich Einblick in sehr private und persönliche Bereiche.

Die Anfragen berühren mich und bewegen meine Gefühle. Und das ist voll O.K., denn nur so kann ich mich in mein unbekanntes Gegenüber hineinversetzen.

Zu mir gehört aber auch mein Kopf und dieser appelliert wiederholt an mein Verständnis: Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Wünsche, Erwartungen, Vorstellungen. Jeder ist und funktioniert anders.“ Ja, das stimmt. Entsprechend versuche ich Herz und Verstand zusammen zu bringen „professionell nah“ zu sein, im Sinne von genau hinhören und verstehen, unterstützen und anregen und Hoffnung geben, basierend auf meinen eigenen Recovery Erfahrungen.

Aufgrund diesen kann ich zwischenzeitlich mit anderen Betroffenheiten gut umgehen. Die dabei aufkommenden Gefühle „triggern“ mich nicht mehr in meiner eigenen Verletzlichkeit. Was für mich jedoch jedes Mal eine neue Herausforderung bedeutet, ist mein hoher Anspruch an mich selbst. Ist meine Antwort hilfreich, motivierend, umfassend, weiterbringend und richtig? Diese selbstkritischen Gedanken sind mir sehr vertraut und leider begegne ich ihnen immer noch. Mittlerweile habe ich aber ein Grusswort für sie parat: „Hallo liebe Gedanken, Ruhe da oben!

Ich beantworte jede Anfrage so gut ich kann, mittlerweile aber mit der inneren Überzeugung und Achtung, dass die Lösung in jedem Einzelnen steckt.

Jeder Mensch, jeder Recoveryweg ist einzigartig. Das fordert mich heraus und fasziniert mich gleichzeitig. Und darum schlägt mein Herz im Austausch mit Anderen.

Bloggerin: Lesly Luff

 


e-Beratung Pro Mente Sana

Informieren Sie sich auf folgender Seite mehr über die e-Beratung:

e-Beratung Pro Mente Sana

Peer-Pool beflügelt Recovery Umsetzung

„Willst du etwas wissen, so frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten“. Dieses Sprichwort verdeutlicht für mich den Wert von Erfahrungswissen. Ebendieses Erfahrungswissen von Peers über psychische Krankheit und Genesung ist eine wertvolle und mittlerweile gefragte  Erweiterung zum (psychiatrischen) Fachwissen.

Seit 2010 sind in der Schweiz über siebzig Psychiatrie erfahrene Menschen zu Peers oder Expertinnen durch Erfahrung ausgebildet worden und mehr als fünfzig befinden sich zurzeit entweder beim Verein EX-IN Bern oder bei der Pro Mente Sana in Ausbildung.

Immer wieder gelangen Anfragen für Interviews, Mitarbeit bei Projekten oder auch konkrete Beratungsanfragen an die Pro Mente Sana, den Verein Peer+ oder den Verein EX-IN Bern. Die Nachfrage nach Peers ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und die Idee eines Peer Pools ist schon lange am reifen.

Das eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hat die Dringlichkeit eines Peer Pools erkannt und unterstützt uns finanziell bei dessen Realisierung.

Wie funktioniert der Pool? Peers können sich  mit einem eigenen Profil online registrieren und sich und ihr Angebot beschreiben. Ab Mitte August bietet der Peer Pool Arbeitgebern oder auch Privatpersonen die Möglichkeit,  Peers zu finden und direkt anzuschreiben.

Der Peer Pool ist ein wichtiges Tool, das die Peer-Arbeit und Recovery in der Schweiz voranbringt. Dieses Projekt liegt mir schon seit Längerem am Herzen und ich freue mich nun ENDLICH die Umsetzung und die baldige online-Schaltung des Peer Pools anzukündigen. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Peers registrieren und so alle von dem Angebot profitieren können.

Wie bereits in den vorderen Blogs erwähnt, ist der Eintritt für den Freitagnachmittag (19.08) am PSY Kongress in Basel gratis. Es erwartet uns ein vielseitiges Programm und in diesem aussergewöhnlichen Rahmen wird auch der Peer Pool lanciert. Ich freue mich auf einen anregenden Austausch und hoffe Sie/dich dort anzutreffen! Hier geht’s zur Kongressanmeldung.

Gastbloggerin: Jasmin Jossen,
Peer/Fachmitarbeiterin Psychosoziales Pro Mente Sana

Sich trennen, um zu überleben

Sicher hast Du Dir die Frage gestellt, wo und wie deine entfernten Familienangehörigen leben und ob es ihnen überhaupt gut geht? Wahrscheinlich hattest Du schonmal diesen einzigartigen Drang sie zu besuchen um einen Teil in ihrem Leben zu sein oder vielleicht auch nur als Gast.

Vor zwei Tagen bin ich aus Florenz zurück gereist. Dort habe ich einen direkten Cousin aus der Ferne mit seiner Frau getroffen, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die wenigen Male, die wir uns im Leben getroffen haben, kann man nicht einmal an einer Hand abzählen – und doch: aus allen Himmeln gefallen fühlten wir uns nah. Wir entdeckten Gemeinsamkeiten und lachten darüber, obwohl wir nie in derselben Stadt, nicht einmal die ganze Kindheit im selben Land gelebt haben. Wir sprachen auch über unsere Urgrosseltern. Wer weiss etwas? Was trieb sie wohl zur Auswanderung? Ich selber werde demnächst in dieses Land meiner Urgrosseltern reisen, um in mir nachzuspüren, vielleicht um Antworten zu finden. Psychische Erkrankung und schwere Schicksale sind in meiner Familie mütterlicherseits und väterlicherseits vorhanden. Wie oft fühle ich mich aufgerufen, für die nächsten Generationen möglichst viel aufzulösen. Zu welchem Grad das gelingen wird, weiss nur die Zukunft.

 

Welche Themen kennst Du aus Deiner Familie, die sich durch mehrere Generationen durchziehen? Schicksal und Hoffnung liegen oft nahe beieinander. Worüber würdest Du gerne mehr wissen? Noch bis 05. Juli (Fristverlängerung) hast Du Zeit, uns die Botschaft, die Dir am Herzen liegt, zukommen zu lassen. Bitte schreibt uns via Blog, Postkarte und Mail (auch anonym), damit wir Eure Fragen und Anliegen für den internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive”, 17.-19. August 2016, in Basel aufnehmen und würdig vertreten können. Die Aktion ist also in wenigen Tagen beendet! Wer Lust hat, kann sich gleich auch mit einem eigenen Statement für einen kurzen Filmdreh anmelden. Erzählt es weiter! Wir freuen uns riesig über jegliche Teilnahme, gleich hier im Kommentar.

Bloggerin: Stephanie Ventling

Youtube-Video mit Stephanie Ventling:

Wir suchen deine Stimme – mach mit!

Stephanie_YB Thumbnail

Postkarte_Stimme d. Betroffenen

Auf nach Basel: sich berühren und bewegen lassen!

Als Nicht-Basler bekenne ich mich schon seit jeher zu Basel. Mir gefallen die vielen guten Cafés, der Spaziergang am Rhein, das Tinguely-Museum, der lässige Dialekt und die Gelassenheit der Menschen. Ja, Basel ist immer eine Reise wert. Aber in diesem Sommer ist es ein MUST nach Basel zu reisen!

Im Rahmen des Kongresses (www.psy-congress.ch) öffnen sich am Freitag Nachmittag (19. August) die Türen für alle. Gratis. Mit einem einzigartigen Programm!

Am Anfang steht ein trialogisches Gespräch, moderiert von Stephanie Ventling.  Mit Ruedi Josuran, Betroffener einer Depression, er erzählt über seine Erfahrungen und seinen Genesungsweg. Und Bianca Sissig, Ex Miss Schweiz, die gerade mit ihren als Buch („Ich glaubte immer an die Kraft in mir“) erschienen Lebenserzählungen, die Bestseller-Listen stürmt. Sie berichtet authentisch über ihren Weg an der Seite einer schwer depressiven Mutter. Ergänzt wird der Talk durch Sibylle Glauser, die als langjährige Fachfrau in der UPD Bern, Einblicke in den Alltag der Psychiatrie ermöglicht.

Im Anschluss widmet sich dann ein politisches Forum (moderiert von Mona Vetsch) der Frage, was wir aus dem Kongress für Lehren ziehen und welche dringlichen Massnahmen sich für die Schweiz daraus ergeben. Denn gerade jetzt, wo es sich abzeichnet, dass Dank der Initiative von Ständerat Joachim Eder (er ist Teilnehmer am Podium), demnächst durch die Erhöhung der Abgaben aus dem Krankenversicherungsgesetz mehr Mittel für Projekte und Prävention im Bereich Psychische Gesundheit zur Verfügung stehen werden, ist es wichtig, dass eine breite Diskussion über die sinn- und wirkungsvolle Verteilung der Gelder lanciert wird.

Schliesslich endet der Nachmittag mit einem Highlight: Als exklusive, europaweite Vorpremiere, zeigen wir den Dokumentar-Film CrazyWise (www.crazywisefilm.com). Auf eindrückliche Weise zeigt dieser Film, wie das Wissen von indigenen Völkern oft mit unseren westlichen Ansätzen von psychischer Gesundheit kollidiert. Anhand persönlicher Erfahrungen von porträtierten Menschen wird gezeigt, wie eine psychologische Krise in eine positive Erfahrung transformiert werden kann. Eine Inspiration entlang vielerlei Grenzen, ehrlich, spirituell, engagiert. Die „Macher“ des Films, Phil Borges und Kevin Tomlinson, erwarten wir als Gäste zu einem spannenden Gespräch.

Also: Ich bin überzeugt, dass es sich lohnt am 19.8.2016 nach Basel zu fahren, sich informieren und berühren zu lassen, seine Meinung einzubringen. Und da wir diese Veranstaltung für das breite Publikum öffnen und kostenlos anbieten, gibt es keine Ausreden mehr! Ich freue mich DICH/SIE zu sehen!

Blogger: Marcel Wisler


Melden Sie sich kostenlos zum Freitagnachmittag am PSY-Kongress an:

Anmeldungsformular

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Stimmen der Angehörigen

„Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive“ – das Thema des Jahreskongresses der Schweizer Psychiater und Psychiaterinnen, der im August in Basel stattfinden wird, ist Musik in meinen Ohren als Angehörige eines Menschen, der seit vielen Jahren mit einer psychischen Erkrankung kämpft.

Endlich sind auch die Angehörigen mit im Boot, wenn Fachpersonen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse erörtern. Psychische Erkrankungen werfen ihren Schatten über die ganze Familie und machen auch nicht Halt vor Generationenstufen.  Weder mein erkrankter Bruder noch ich haben uns die Rolle eines von einer psychischen Erkrankung Betroffenen noch die einer Angehörigen freiwillig ausgewählt. Das Schicksal hat einfach zugeschlagen. Seine Erkrankung hat die Biographie unserer Eltern  und auch mein Leben stark geprägt. Auch meine Söhne waren als Kinder zeitweise verunsichert, wenn sie meinen sorgenvollen Blick spürten, meine Angst, dass auch sie erkranken könnten.

Pro Mente Sana bietet am Jahreskongress in Basel Betroffenen und Angehörigen die Gelegenheit, der Ärzteschaft ihre Anliegen, Anregungen oder kritischen Äusserungen in Form kurzer Videosequenzen kund zu tun. Diese einmalige Gelegenheit dürfen wir Angehörigen uns auf keinen Fall entgehen lassen! Deshalb liebe Angehörige, nutzt die Gunst der Stunde und schreibt uns, was Euch bewegt, was Ihr Euch für Euch und Eure erkrankten Familienmitglieder wünscht. Jede Stimme zählt!

Bloggerin: Sibylle Glauser

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Was ist meine Motivation eine „elektronische“ Peer-Beraterin zu sein?

1200 Zeichen – Das ist die Vorgabe für meine Antwort auf die im Titel gestellte Frage. Meine Stärke liegt nicht in der Kürze. Drum steigt mein Stresspegel gerad ein wenig an.

Und jetzt? Tief durchatmen, Füsse auf den Boden, bei mir bleiben. Zum Glück bewegen sich meine Finger auf der Tastatur weiter.

Tja, ich nehme mir gerne Zeit für Gespräche als Peer, als Coach, als „private“ Person bis anhin vor allem gegenüber sitzend oder telefonisch kabelnd. Ehrlich gesagt kann ich mich auf dem schriftlichen Weg unbefangener ausdrücken. Ich gehe davon aus, dass auch andere so funktionieren.

Seit August 2015 bietet Pro Mente Sana ergänzend zur telefonischen Beratung die e-Beratung an. Speziell daran ist, dass neben den Fachpersonen auch „Peers“ beraten, Menschen, die eigene Krankheits- und Gesundungswege gegangen sind und weitergehen und nun ihr Erfahrungswissen teilen möchten.

Ich bin einer dieser Menschen und möchte Betroffene bestärken, ihren Recoveryweg zu (be-) gehen. Ich möchte sie unterstützen, nicht aufzugeben, auch wenn Stolpersteine im Weg liegen, es Rückschritte gibt. Umwege können / müssen nötig sein, meiner Meinung nach erhöhen sie sogar die Orientierung.

Ja, es kann leichter fallen, sich schriftlich mitzuteilen. Ich kann für mich sagen, dass ich Vieles schon besser verstehen und angehen kann, wenn ich es zu Papier gebracht habe. Dann ist es „da“. Schreiben ist für mich eine Form von Selbsthilfe.

So. Das sind meine Beweggründe, „E-Beraterin“ zu sein übrigens auch für Angehörige und Fachpersonen. Nun schliesse ich meinen Blog und bin froh, nach einem „Zeichenzahl-Upgrade“ gefragt zu haben, das erspart mir ein unnötig schlechtes Gewissen. 🙂

Liebe LeserInnen, nutzt den Austausch mit uns Peer-BeraterInnen! Geteilte Erfahrungen können neue Kräfte frei setzen.

Bloggerin: Lesly Luff

 


e-Beratung Pro Mente Sana

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e-Beratung Pro Mente Sana

Gleich und Anders – besonders in der Arbeitswelt

Der Verlust der Arbeitsstelle ist für Menschen mit einer psychischen Krankheit oft eine grosse Zäsur im Leben. Sie erleben ihn wie die Fahrt mit dem Fahrstuhl ins Kellergeschoss.

Arbeit ist wichtig für unsere Gesundheit, unsere Identität und vor allem für unseren Selbstwert. Eine sinnstiftende Aufgabe zu haben, erachten die meisten Menschen als eines ihrer wichtigsten Ziele, auch oder insbesondere Menschen mit einer psychischen Belastung. Wieder eine Aufgabe übernehmen können, in eine Berufsrolle schlüpfen zu können, ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gesundung – nicht auf dem Weg zur Symptomfreiheit, aber auf dem Weg dahin, dass das Leben nicht mehr nur aus Krankheit besteht.

Es gibt zum Glück unzählige Beispiele von Menschen, die diesen Weg gegangen sind, die mit einer psychischen Belastung am Arbeitsplatz bleiben konnten, oder denen ein Wiedereinstieg gelungen ist. Da aber leider gerade am Arbeitsplatz psychische Belastungen immer noch ein Tabu-Thema sind, erfahren wir nichts von diesen Erfolgsgeschichten. Dabei wissen wir: Es ist der persönliche Kontakt mit Menschen, die wieder gesundet sind, die noch oder wieder am Arbeitsplatz sind, die Vorurteile abbauen können; und zwar nachhaltig. Deshalb sind Filme wie „Gleich und Anders: Wenn die Psyche uns fordert“ so wichtig. Der Film zeigt Menschen, die sich auf diesen Weg begeben haben, oft einen verschlungenen Weg mit Stolpersteinen, aber einen, den es sich lohnt zu begehen und zwar für alle Beteiligten. Pro Mente Sana hat sich an der Realisierung des Films finanziell und inhaltlich beteiligt. Und das Ergebnis ist eine berührende Sammlung von unterschiedlichen Menschen mit ihren Erfahrungen. Bewundernswert für ihren Mut, sich ihrem oft schwierigen Alltag zu stellen und uns daran teilhaben zu lassen.

Ab heute bis zum Kongress in Basel, publizieren wir wöchentlich eine_n der Porträtierten in Kurzfilmen auf unserer Webseite. Dies wurde möglich Dank dem Engagement des Filmers Jürg Neuenschwander, dem es gelungen ist, aus dem vielen „Restmaterial“ seines Films „Gleich und Anders“ eindrückliche Zusammenschnitte aufzubereiten. Geeignet für Schulungen und die Sensibilisierungsarbeit. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung des Themas Psychische Krankheit in der Arbeitswelt. Lassen wir uns von diesem Mut und dieser Offenheit anstecken!

Blogger: Dr. Thomas Ihde-Scholl


Kurzporträts aus dem Film „Gleich und Anders“
Portrait_Kaiser
Portrait_Plaschy
Portrait_Züricher