Gleich und Anders – besonders in der Arbeitswelt

Der Verlust der Arbeitsstelle ist für Menschen mit einer psychischen Krankheit oft eine grosse Zäsur im Leben. Sie erleben ihn wie die Fahrt mit dem Fahrstuhl ins Kellergeschoss.

Arbeit ist wichtig für unsere Gesundheit, unsere Identität und vor allem für unseren Selbstwert. Eine sinnstiftende Aufgabe zu haben, erachten die meisten Menschen als eines ihrer wichtigsten Ziele, auch oder insbesondere Menschen mit einer psychischen Belastung. Wieder eine Aufgabe übernehmen können, in eine Berufsrolle schlüpfen zu können, ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gesundung – nicht auf dem Weg zur Symptomfreiheit, aber auf dem Weg dahin, dass das Leben nicht mehr nur aus Krankheit besteht.

Es gibt zum Glück unzählige Beispiele von Menschen, die diesen Weg gegangen sind, die mit einer psychischen Belastung am Arbeitsplatz bleiben konnten, oder denen ein Wiedereinstieg gelungen ist. Da aber leider gerade am Arbeitsplatz psychische Belastungen immer noch ein Tabu-Thema sind, erfahren wir nichts von diesen Erfolgsgeschichten. Dabei wissen wir: Es ist der persönliche Kontakt mit Menschen, die wieder gesundet sind, die noch oder wieder am Arbeitsplatz sind, die Vorurteile abbauen können; und zwar nachhaltig. Deshalb sind Filme wie „Gleich und Anders: Wenn die Psyche uns fordert“ so wichtig. Der Film zeigt Menschen, die sich auf diesen Weg begeben haben, oft einen verschlungenen Weg mit Stolpersteinen, aber einen, den es sich lohnt zu begehen und zwar für alle Beteiligten. Pro Mente Sana hat sich an der Realisierung des Films finanziell und inhaltlich beteiligt. Und das Ergebnis ist eine berührende Sammlung von unterschiedlichen Menschen mit ihren Erfahrungen. Bewundernswert für ihren Mut, sich ihrem oft schwierigen Alltag zu stellen und uns daran teilhaben zu lassen.

Ab heute bis zum Kongress in Basel, publizieren wir wöchentlich eine_n der Porträtierten in Kurzfilmen auf unserer Webseite. Dies wurde möglich Dank dem Engagement des Filmers Jürg Neuenschwander, dem es gelungen ist, aus dem vielen „Restmaterial“ seines Films „Gleich und Anders“ eindrückliche Zusammenschnitte aufzubereiten. Geeignet für Schulungen und die Sensibilisierungsarbeit. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Entstigmatisierung des Themas Psychische Krankheit in der Arbeitswelt. Lassen wir uns von diesem Mut und dieser Offenheit anstecken!

Blogger: Dr. Thomas Ihde-Scholl


Kurzporträts aus dem Film „Gleich und Anders“
Portrait_Kaiser
Portrait_Plaschy
Portrait_Züricher

 

 

Ich schaue in den Spiegel und sehe meine Grossmutter

Hat Dich auch schon mal ein Arzt gefragt, ob jemand in Deiner Familie mit psychischen Belastungen zu tun hatte? Weisst Du wie Deine Mutter und dein Vater aufgewachsen sind?  Was weisst Du über deine Grosseltern, Tanten, Cousinen?

Ob Auswandern, Geschäfte aufbauen, jung heiraten, spät Kinder bekommen – es gibt Themen, die in jeder Generation vorkommen, über die lustvoll diskutiert und philosophiert wird. Es gibt aber auch das, worüber in Familien nicht gesprochen wird z.B. über alte Verletzungen, Ängste, Kriegserlebnisse, Flucht, Hunger, Missbrauch. Die neuste Forschung weist darauf hin, dass wer Schweres erlebt hat, einen Weg findet, damit umzugehen, auch wenn es in ganz harten Fällen die völlige Verdrängung oder Abspaltung bedeutet. Solche Kompensationsmuster werden dann leider unbewusst in die nächste Generation übertragen. Dort sind sie aber aufgrund des veränderten Zeitgeschehens nicht dienlich und machen eben auch krank.

Welche Themen kennst Du aus Deiner Familie? Gibt es Verhalten, das sich durch mehrere Generationen durchzieht? Worüber würdest Du gerne mehr wissen? Bitte scheibt uns aus Eurer Betroffenheit! Alle Gedanken hierzu sind wertvoll und wichtig!

Am internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive”, 17.-19. August 2016, in Basel wird Pro Mente Sana eine Auswahl Eurer Wünsche den referierenden Fachpersonen zur Stellungnahme zitieren. Wir freuen uns auf alle (gerne auch anonyme) Stimmen, gleich hier im Kommentar!

Bloggerin: Stephanie Ventling

Youtube-Video mit Stephanie Ventling:

Wir suchen deine Stimme – mach mit!

Stephanie_YB Thumbnail

Postkarte_Stimme d. Betroffenen

Der Sommer steht ganz im Zeichen von Menschen mit Psychiatrie Erfahrungen

Endlich kämpft sich in diesen Tagen die Sonne zurück und kündigt den Sommer an, die Jahreszeit, auf welche ich mich am meisten freue. Doch in diesem Jahr werde ich etwas weniger in Badis oder an Grillfesten anzutreffen sein, weil ein Highlight ansteht, auf welches ich mit schon jetzt freue und welches wir auf Hochtouren vorbereiten.

Im August findet in Basel der Internationale Kongress „Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive“ (www.psy-congress.ch) statt. Es ist uns gelungen in diesem einzigartigen Rahmen attraktive Plattformen für Betroffene und Angehörige zu schaffen. Im Hauptprogramm (Keynotes; Podium), im Kongressprogramm (Workshops/Symposien) und im Rahmenprogramm (Marktplatz „Wie geht’s Dir?“), überall bieten sich für unsere Kernzielgruppen Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit zu erlangen, die sie verdienen.

Was sonst leider selten ist, wird hier Dank der Offenheit unserer Partner erstmals in dieser Form realisiert. Das bedeutet, dass wir einen entscheidenden Schritt vorwärts gehen. Menschen mit psychischen Erfahrungen treten auf Augenhöhe in den Dialog mit Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen. Und zur „Krönung“ werden die Stimmen von Betroffenen und Angehörigen als „Roter Faden“ in das Programm integriert. Während des gesamten Kongresses und vor jedem „Keynote Speaker“, werden die Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen von Menschen mit psychischen Belastungen als kurze Filmtrailer eingespielt.

Konkret: Wir sammeln ab sofort Ihre/Deine Stimme und werden aus den eingegangen Beiträgen 10 auswählen, welche wir filmisch dokumentieren. Deshalb rufen wir Sie/Dich hiermit auf diese Aktion zu unterstützen. Helft mit, dass aus den Stimmen der Einzelnen ein vielstimmiger Chor wird, welcher in den Basler Sommernächten nachklingt!

Blogger: Marcel Wisler

Postkarte_Stimme d. Betroffenen