Der Sommer steht ganz im Zeichen von Menschen mit Psychiatrie Erfahrungen

Endlich kämpft sich in diesen Tagen die Sonne zurück und kündigt den Sommer an, die Jahreszeit, auf welche ich mich am meisten freue. Doch in diesem Jahr werde ich etwas weniger in Badis oder an Grillfesten anzutreffen sein, weil ein Highlight ansteht, auf welches ich mit schon jetzt freue und welches wir auf Hochtouren vorbereiten.

Im August findet in Basel der Internationale Kongress „Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive“ (www.psy-congress.ch) statt. Es ist uns gelungen in diesem einzigartigen Rahmen attraktive Plattformen für Betroffene und Angehörige zu schaffen. Im Hauptprogramm (Keynotes; Podium), im Kongressprogramm (Workshops/Symposien) und im Rahmenprogramm (Marktplatz „Wie geht’s Dir?“), überall bieten sich für unsere Kernzielgruppen Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit zu erlangen, die sie verdienen.

Was sonst leider selten ist, wird hier Dank der Offenheit unserer Partner erstmals in dieser Form realisiert. Das bedeutet, dass wir einen entscheidenden Schritt vorwärts gehen. Menschen mit psychischen Erfahrungen treten auf Augenhöhe in den Dialog mit Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen. Und zur „Krönung“ werden die Stimmen von Betroffenen und Angehörigen als „Roter Faden“ in das Programm integriert. Während des gesamten Kongresses und vor jedem „Keynote Speaker“, werden die Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen von Menschen mit psychischen Belastungen als kurze Filmtrailer eingespielt.

Konkret: Wir sammeln ab sofort Ihre/Deine Stimme und werden aus den eingegangen Beiträgen 10 auswählen, welche wir filmisch dokumentieren. Deshalb rufen wir Sie/Dich hiermit auf diese Aktion zu unterstützen. Helft mit, dass aus den Stimmen der Einzelnen ein vielstimmiger Chor wird, welcher in den Basler Sommernächten nachklingt!

Blogger: Marcel Wisler

Postkarte_Stimme d. Betroffenen

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9 Gedanken zu „Der Sommer steht ganz im Zeichen von Menschen mit Psychiatrie Erfahrungen“

  1. Ich bin seit November 15 Peer, ich habe den Abschluss bei Ex-In Bern gemacht. Ein Kindheitstraum ist für mich in Erfüllung gegangen.
    Da ich in meinem Leben nie die Möglichkeit hatte eine Ausbildung zu machen und doch immer genau wusste in welchem Bereich ich Arbeiten will, bin ich glücklich dies auf Umwegen erreicht zu haben.
    Ich bin 38 jahre alt, habe 3 Kinder, 20,18 und 12 jahre.
    Mit 14 verliess ich meine Familie, lebte auf der Strasse, in besetzten Häusern und einfach dort wo ich einschlief. Ich war damals schwer Alkoholabhängig.
    Mit der Schwangerschaft und der Geburt meiner Tochter,mit 18,drehte ich mein Leben um 180 Grad.
    Nach meinem 3 Kind erlebte ich den totalen psychischen Zusammenbruch.
    Ich erlebte danach innerhalb von 7 jahren mehr als die hälfte der Zeit im stationären Aufenthalt in psychiatrischen Institutionen.
    Ich bin sehr gerne bereit euch in eurem Projekt zu unterstützen.
    Liebe Grüsse Rebecca

    1. Finde ich toll. Wir brauchen so Leute wie dich, die die Menschen zum Aufwachen bringen. Hut ab und grossen Respekt, was du errreicht hast.

  2. LOSLASSEN und der Hoffnung Raum geben.
    Mein jüngster Sohn der heute vor 29. Jahren als 3. Junge unser Glück perfekt machte, erkrankte während dem Militärdienst an einer schweren akuten Psychose. Seit über 10 Jahren begleitet uns nun die Diagnose der „Schizophrenie“ und bescherte uns unendliche Momente der Trauer, Hoffnung, Klinikaufenthalten, Medikamentennebenwirkungen aber auch Stolz, wie unser Sohn das alles aushaltet und meistert.
    Mein persönlicher Kampf führte ich mit Einbezug von Fachstellen, Literatur und Gesprächen. Die grössten Erkenntnisschritte durfte ich in einem Psychoseseminar mit trialogischer Struktur machen, wo ich merkte, ich bin nicht allein und hören durfte wie Betroffene und Fachleute denken und in welchen Dilemmas sie stehen.
    Seit 8 Monaten möchte mein Sohn keinen Kontakt mehr mit mir und der Familie, ob dies durch eine Angststörung verursacht wird, weiss ich nicht. Ich weiss nur: ich MUSS ihn loslassen um ihm meine Liebe zu ihm zu zeigen. Dies fordert mich jeden Tag bis an meine Grenze, aber ich sage mir: es ist SEIN Leben, SEINE Entscheidung was er will und kann und ich muss das akzeptieren. Kraft gibt mir die Hoffnung, dass ich ihn irgedwann wieder in die Arme schliessen darf.

  3. Guten Tag alle zusammen,
    Vor drei Wochen tauchte eine Vision auf und die liess mich nicht ruhen. Klarheit machte sich breit und es wurde zu einem grossen Herzenswunsch. Gestern war ich im Internet und stöberte ein wenig rum und was sehe ich da, Ihren Blog und genau diese Vision kam vor drei Wochen. Ich möchte meine ureigene Geschichte an die Öffentlichkeit bringen, auf der Bühne stehen und viele Leute da draussen ansprechen. Den es ist wichtig!
    Nun zu meiner Person. Ich bin 36 Jahre alt und bin alleinerziehende Mami eines 6jährigen Sohnes. Zusammen mit meinen drei Geschwistern bin ich auf dem Lande aufgewachsen. Das Leben drehte sich um Arbeit, Arbeit, Arbeit. Zeit als Familie gab es nicht, geschweige eine körperliche und emotionale Liebe. Meine Eltern lebten mir ein Bild vor, dass aus Arbeit bestand, sich aufgeben und nur für Andere schauen. Natürlich, dies habe ich getan, den ich habe ja nichts anderes kennengelernt. Ich habe mich bis zum 30. Lebensjahr abgeschuftet, meine Ausbildung als Pflegefachfrau gemacht, danach als Berufsmasseur. Gleichzeitig schaute ich für alle Anderen um ja Aufmerksamkeit und Zuneigung zu bekommen, die ich nie erhalten habe. Ich wollte schlichtweg in Allem perfekt sein um von allen geliebt zu werden und um somit keine Ablehnung und Kritik erfahren zu müssen.
    Mit 28 Jahren hat mir meine Teamleiterin gesagt, Maja, pass auf, du hast die Tendenz, in ein Burnout zu geraten. Ja ich blieb immer länger im Geschäft, später kam ich morgens kaum aus dem Bett und es pendelte sich so ein, dass ich immer wieder einige Minuten zu spät zur Arbeit kam. Ich kündete von einem Tag auf den Anderen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nichts verändert. Im Sept. 2009 kam mein Sohn zur Welt, ich war dazumals 30. Ich hatte eine postnatale Depression. Ich weinte und hatte keine Ahnung wieso. Nach 2 Mt. war ich im Burnout mit Erschöpfungsdepressionen. Ich wollte einfach nur perfekt sein. Eine perfekte Mami, eine perfekte Ehefrau, perfekt bei der Arbeit und allen helfen. Mein Burnout und die Erschöpfungsdepression hat mich tief in den Ruin getrieben. Mein Leben war nie mehr so wie es einst war. Das ist wie, wenn du von deinem Körper gegangen bist. Ich hatte keine Nerven mehr, habe mich komplett von der Gesellschaft zurückgezogen und lebte ein Leben nur mit meinem Sohn und mir. Ich habe 7kg abgenommen und kaum was richtiges gegessen. Ich fühlte mich leer, gefühlstod, lustlos, kraftlos und ich habe schlichtweg nur funktioniert. Ich wollte nur noch schlafen und meine Ruhe haben. Durch meine Situation konnte ich meinen Sohn nicht geniessen. Ich war überfordert und konnte nicht mehr. Meine Ehe war durch meine damalige Krankheit zerstört, kaputt.
    Irgendwie, nach ca. 2 Jahren, ich weiss nicht, wie dies geschehen ist, bekam ich wieder diese Energie, aufzuwachen. Als ich aufgewacht bin, war die Liebe zu meinem Ehemann weg. Da war nichts mehr was uns verband. Das Einzige was ich wieder zu fühlen begann, ist, dieses Leben möchte ich nicht. Ich bin noch jung und habe viele Jahre noch vor mir. Also trennte ich mich im Januar 2014 , habe mich scheiden lassen und fing ein Leben alleine mit meinem Sohn an. Das war mein Durchbruch mein Leben zu ordnen und vieles zu erkennen, wie ich gelebt habe. Ich habe in diesen 2.5 Jahren unglaublich viel über mich gelernt. Ich habe realisiert, dass ich auch ein Mensch bin mit Bedürfnissen. Heute arbeite ich bei einem Alzheimerkunden zuhause, wo ich 1 zu 1 Betreuung mache und nebendran arbeite ich in der Ernährung, wo ich nun an der Ernährungsausbildung bin. Ich könnte noch so viel über meine Geschichte erzählen.

    Ich habe hier in dieser Welt eine Mission und ich sehe es als Pflicht, meine Geschichte an die Öffentlichkeit zu tragen, um viele Menschen, denen es genauso geht, Mut zu machen und sie zu unterstützen. Es ist mir ein sehr grosses Anliegen meine Mitmenschen zu einem besseren Leben zu unterstützen. Es ist wichtig, dass wir daraus kein Tabu machen. Wir brauchen es darüber zu reden, dass ist enorm wichtig für den Betroffenen. Nur schon, wenn ihr beim Anderen was bemerkt. Sprecht die Leute an. Bei mir hat es niemand gemacht. Mein Ehemann nicht, meine Familie nicht. Ich habe gar nicht erkannt, was mit mir abgeht.
    Ich bitte euch, geht raus und habt keine Angst, darüber zu sprechen. Du bist eine Stütze für solche Leute.
    Ich bin gerade dabei meine Webseite zu gestalten, wo es genau um dies geht. Ich möchte Leute coachen und beraten.
    Wer kann einen Menschen besser coachen als jemand, der dies erlebt hat und weiss, wovon er spricht.
    Ich möchte unbedingt auf die Bühne und meine Geschichte erzählen und es ist toll, wenn viele Menschen Mut zeigen, zu ihrer Krankheit stehen und das an die Öffentlichkeit bringen. Ich kann nur sagen, tut es. Ihr helft vielen Menschen da draussen, die es brauchen. In Liebe Maja

  4. Klasse Aktion! Endlich werden heikle Themen (die sonst keinen Platz in der Gesellschaft haben) angesprochen!
    Ich bin 20 Jahre alt und habe seit meiner Kindheit überwiegend schlechte Dinge erlebt; beispielsweise wurde ich im Alter von 4 Jahren im Wald ausgesetzt, von meinen Eltern geschlagen und verspottet, in der Schule gemobbt…bis es mich freiwillig ins Heim und anschliessend in die Psychiatrie brachte. Grund dafür war unter anderem SVV und Suizidgedanken, wie auch -versuche weil meine sogenannten Eltern sich selbst nach dem Obhutsentzug gegen alles wehrten und mich weiterhin kontaktierten und terrorisierten (genauere Beschreibung findet man in der Märzausgabe 2016 vom ‚Beobachter‘; Fall der Woche-Terror ohne Ende). Mit 17 Jahren wurde ich also von einer Psychiaterin als Borderlinerin abgestempelt. Von meiner letzten Therapeutin weiss ich, dass man Borderine definitiv erst ab dem 24. Lebensjahr diagnostizieren kann; alles andere sind nur Symptome, welche wieder verschwinden können. Auch fühlte ich mich nie als Borderlinerin, ich wollte ’nur‘ durch all das Schlimme nicht mehr leben und wollte mir ein Ende setzen auch wenn ich mich grösstenteils kooperativ gezeigt habe. Meine BPs in der Pflege waren definitiv der Meinung, dass ich nicht in die Borderline-Kategorie gehöre, sondern nach Identität suche (Pubertät eben). Warum in aller Welt machen sich die meisten Psychiater keine Mühe mehr, sich den ganzen Menschen anzuschauen (denn Aktion = Reaktion) und schubladisieren nur noch? Banales Beispiel: „Sie ritzt sich, ok, sie ist Borderlinerin.“ Es gibt Leute, welche sich durch Diagnosen definieren, aber Ziel ist es doch dem Menschen zu helfen, oder etwa nicht?
    In meinem Fall hat man nur meine Taten an mir selbst gewertet, wie es aber dazu kam, wurde nie in einer Visite besprochen. Vielleicht hätte sich da vieles geändert; bis jetzt, 3 Jahre danach, habe ich sieben verschiedene Therapeuten hinter mir – einer schlimmer als der andere. Ich verletze mich zwar seit 14 Monaten nicht mehr, bekam dafür Angstattacken und mein Essverhalten ist auch nicht im Normalbereich, aber ich bin stetig auf einem guten Weg und werde auch das überleben.

    1. Liebe Anni, Respekt! Ja, du hast dich an die Öffentlichkeit gewagt, um deine Biographie zu erzählen, weil du, genau wie ich, es für wichtig hälst, den Leuten da draussen zu helfen. Wir gehören alle zusammen. Deine Geschichte wird andere Menschen wachrütteln, sie zum Nachdenken anregen. Super, bist du auch dabei. Ich wünsche dir viel Kraft und Liebe auf deinem Weg. Deine Kraft und die Liebe in dir wird immer siegen. Maja

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