Kategorie-Archiv: Stimmen der Betroffenen

Vererbte Wunden – lasst uns miteinander darüber sprechen!

Während den Höhen und Tiefen eigener Krisen ist es mir keineswegs leicht gefallen darüber zu sprechen, was mit mir los war – im Gegenteil. Mir fehlten oft die Worte, ich tappte stumm im Dunkeln oder ich schrie wütend in der Gegend herum. Zu lernen, sich konstruktiv auszudrücken, derart, dass wir die Hilfe bekommen, die wir benötigen, oder so, dass die Menschen, denen wir etwas zu sagen haben, erfahren, was uns wichtig ist, kann Jahre lange Arbeit bedeuten. In meinem Fall war das so, da ich zuerst über alles Mögliche im Leben zu reden geübt war ausser über mich selbst.

Ich habe grossen Respekt für Menschen, die noch einen Schritt über die übliche Selbsthilfegruppe oder den Trialog hinaus ihre Erschütterungserfahrungen an die Öffentlichkeit tragen. Solche Menschen brechen mit gesellschaftlichen Tabus und wagen, sich verletzbar zu zeigen. Wer für die grössere Gemeinschaft sich als Sprachrohr berufen fühlt, betritt ein grosses Feld. Für mich ist es wichtig, dass es solche Menschen gibt, damit wir als Kollektiv die Themen rund um psychische Gesundheit ausdiskutieren und zum Wohl der Betroffenen angehen können. Das schliesst nicht aus, dass Peers und Erfahrene an entscheidenden Plätzen im Leben anderer – auch wenn für die Gesellschaft eher unsichtbar – ebenso heilsame und wertvolle Veränderung bewirken.

Gerade für solche Begegnungen und Debatten versteht sich Pro Mente Sana als wichtige Plattform. Am internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive“ hat sie am Freitag 19. August, 2016 um 14:00 Uhr darum drei erfahrene Personen des öffentlichen Lebens – gleichwertig als Betroffener, als Angehörige und als Fachperson – gebeten, sich trialogisch dem Thema generationenübergreifender psychischer Gesundheit zu stellen. Wir laden euch herzlich ein zu dieser kostenfreien und spannenden Podiumsdiskussion und freuen uns über rege Teilnahme! Kommentare im vornherein sind gleich anschliessend an diesen Blog erlaubt!

Bloggerin: Stephanie Ventling

Sich trennen, um zu überleben

Sicher hast Du Dir die Frage gestellt, wo und wie deine entfernten Familienangehörigen leben und ob es ihnen überhaupt gut geht? Wahrscheinlich hattest Du schonmal diesen einzigartigen Drang sie zu besuchen um einen Teil in ihrem Leben zu sein oder vielleicht auch nur als Gast.

Vor zwei Tagen bin ich aus Florenz zurück gereist. Dort habe ich einen direkten Cousin aus der Ferne mit seiner Frau getroffen, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hatte. Die wenigen Male, die wir uns im Leben getroffen haben, kann man nicht einmal an einer Hand abzählen – und doch: aus allen Himmeln gefallen fühlten wir uns nah. Wir entdeckten Gemeinsamkeiten und lachten darüber, obwohl wir nie in derselben Stadt, nicht einmal die ganze Kindheit im selben Land gelebt haben. Wir sprachen auch über unsere Urgrosseltern. Wer weiss etwas? Was trieb sie wohl zur Auswanderung? Ich selber werde demnächst in dieses Land meiner Urgrosseltern reisen, um in mir nachzuspüren, vielleicht um Antworten zu finden. Psychische Erkrankung und schwere Schicksale sind in meiner Familie mütterlicherseits und väterlicherseits vorhanden. Wie oft fühle ich mich aufgerufen, für die nächsten Generationen möglichst viel aufzulösen. Zu welchem Grad das gelingen wird, weiss nur die Zukunft.

 

Welche Themen kennst Du aus Deiner Familie, die sich durch mehrere Generationen durchziehen? Schicksal und Hoffnung liegen oft nahe beieinander. Worüber würdest Du gerne mehr wissen? Noch bis 05. Juli (Fristverlängerung) hast Du Zeit, uns die Botschaft, die Dir am Herzen liegt, zukommen zu lassen. Bitte schreibt uns via Blog, Postkarte und Mail (auch anonym), damit wir Eure Fragen und Anliegen für den internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive”, 17.-19. August 2016, in Basel aufnehmen und würdig vertreten können. Die Aktion ist also in wenigen Tagen beendet! Wer Lust hat, kann sich gleich auch mit einem eigenen Statement für einen kurzen Filmdreh anmelden. Erzählt es weiter! Wir freuen uns riesig über jegliche Teilnahme, gleich hier im Kommentar.

Bloggerin: Stephanie Ventling

Youtube-Video mit Stephanie Ventling:

Wir suchen deine Stimme – mach mit!

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Postkarte_Stimme d. Betroffenen

Ich schaue in den Spiegel und sehe meine Grossmutter

Hat Dich auch schon mal ein Arzt gefragt, ob jemand in Deiner Familie mit psychischen Belastungen zu tun hatte? Weisst Du wie Deine Mutter und dein Vater aufgewachsen sind?  Was weisst Du über deine Grosseltern, Tanten, Cousinen?

Ob Auswandern, Geschäfte aufbauen, jung heiraten, spät Kinder bekommen – es gibt Themen, die in jeder Generation vorkommen, über die lustvoll diskutiert und philosophiert wird. Es gibt aber auch das, worüber in Familien nicht gesprochen wird z.B. über alte Verletzungen, Ängste, Kriegserlebnisse, Flucht, Hunger, Missbrauch. Die neuste Forschung weist darauf hin, dass wer Schweres erlebt hat, einen Weg findet, damit umzugehen, auch wenn es in ganz harten Fällen die völlige Verdrängung oder Abspaltung bedeutet. Solche Kompensationsmuster werden dann leider unbewusst in die nächste Generation übertragen. Dort sind sie aber aufgrund des veränderten Zeitgeschehens nicht dienlich und machen eben auch krank.

Welche Themen kennst Du aus Deiner Familie? Gibt es Verhalten, das sich durch mehrere Generationen durchzieht? Worüber würdest Du gerne mehr wissen? Bitte scheibt uns aus Eurer Betroffenheit! Alle Gedanken hierzu sind wertvoll und wichtig!

Am internationalen Kongress “Psychische Gesundheit aus der Generationenperspektive”, 17.-19. August 2016, in Basel wird Pro Mente Sana eine Auswahl Eurer Wünsche den referierenden Fachpersonen zur Stellungnahme zitieren. Wir freuen uns auf alle (gerne auch anonyme) Stimmen, gleich hier im Kommentar!

Bloggerin: Stephanie Ventling

Youtube-Video mit Stephanie Ventling:

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